VW Käfer Kotflügel lackieren mit Spraydose: Seeblau am 64er auffrischen

VW Käfer Kotflügel in Seeblau beim Lackieren mit der Spraydose
Abkleben statt Demontieren: Der hintere linke Kotflügel bekommt wieder Farbe und Glanz.

Der hintere linke Kotflügel meines VW Käfer Baujahr 1964 hatte in seiner Geschichte offenbar einmal einen kleinen Parkrempler abbekommen. Vor ungefähr sechs Jahren hatte ich die Stelle schon einmal notdürftig versorgt. Inzwischen war der Lack wieder stumpf und an einigen Stellen kam die Grundierung zum Vorschein. Also war es Zeit für eine neue Runde Seeblau.

Mein Ziel war dabei keine professionelle Komplettlackierung. Der Kotflügel sollte wieder zum restlichen Käfer passen, geschützt sein und einen ordentlichen Glanz bekommen. Deshalb habe ich mich für eine Reparaturlackierung mit der Spraydose entschieden – mit 1K-Basislack im Farbton Seeblau und anschließendem 2K-Klarlack.

Kotflügel am Käfer lackieren: abbauen oder abkleben?

Ich habe den Kotflügel für diese Arbeit nicht demontiert. Stattdessen lautete das Motto: abkleben statt abbauen. Dafür wurde nicht nur die unmittelbare Umgebung der Lackierstelle geschützt, sondern praktisch der komplette Käfer in Folie verpackt.

Das klingt zunächst etwas übertrieben, hat aber einen guten Grund: Lack- und besonders Klarlacknebel verteilt sich erstaunlich weit. Wer nur einen kleinen Bereich neben dem Kotflügel abklebt, kann anschließend feinen Sprühnebel auf Lack, Scheiben und Anbauteilen wiederfinden. Mit der großzügigen Folierung konnte ich das dieses Mal sehr gut vermeiden.

Vorbereitung: anschleifen und gründlich reinigen

Vor dem Lackieren habe ich die vorhandene Oberfläche mit sehr feinem 8000er Schleifpapier angeraut und anschließend gründlich mit Silikonentferner gereinigt. Entscheidend ist, dass die Fläche vor dem ersten Spritzgang sauber, trocken und frei von Fett, Silikon und losem Material ist.

Welche Körnung und welcher genaue Aufbau sinnvoll sind, hängt allerdings vom vorhandenen Lackzustand und vom verwendeten Lacksystem ab. Bei größeren Schäden, Rost, blankem Metall oder Unebenheiten wären zusätzliche Schritte wie Schleifen, Grundieren beziehungsweise Füllern notwendig. Hier ging es um das Auffrischen einer bereits früher reparierten und grundierten Fläche.

Spraydose richtig vorbereiten: mindestens zwei Minuten schütteln

Ein Punkt, den man leicht unterschätzt, ist das Schütteln der Spraydose. Ich würde die Dose nicht nur ein paar Sekunden bewegen, sondern mich an die Herstellerangabe halten. Bei vielen Autolacken bedeutet das: Nach dem hörbaren Anschlagen der Mischkugeln noch mindestens zwei Minuten kräftig schütteln. Dadurch werden Pigmente und Lackbestandteile möglichst gleichmäßig vermischt.

Bei einem aktivierbaren 2K-Klarlack kommt noch ein wichtiger Schritt hinzu: Nach dem Aktivieren des Härters muss die Dose erneut gründlich geschüttelt werden. Außerdem hat ein aktivierter 2K-Lack nur eine begrenzte Verarbeitungszeit. Hier gilt deshalb immer das technische Merkblatt der tatsächlich verwendeten Dose.

Welcher Abstand beim Lackieren mit der Spraydose?

Als guter Orientierungsbereich gelten bei Autolack-Spraydosen ungefähr 15 bis 25 Zentimeter Abstand zur Oberfläche. Wichtiger als ein auf den Zentimeter festgelegter Wert ist ein gleichmäßiger Abstand zusammen mit einer gleichmäßigen Bewegung der Dose. Zu nah und zu langsam erhöht das Risiko von Läufern; bei zu großem Abstand kann der Lack zu trocken auf der Oberfläche ankommen.

Vor dem eigentlichen Kotflügel empfiehlt sich deshalb ein kurzer Probesprühgang auf einer geeigneten Testfläche. So merkt man auch sofort, ob Düse und Sprühbild sauber funktionieren.

Temperatur und Wetter: lieber auf einen guten Tag warten

Da ich am Käfer nicht in einer professionellen Lackierkabine arbeite, spielt das Wetter eine große Rolle. Für viele Spraylacke liegt ein günstiger Verarbeitungsbereich ungefähr bei 18 bis 25 °C. Lack, Dose und Karosserieteil sollten dabei ebenfalls nicht eiskalt sein.

Draußen würde ich außerdem einen möglichst windstillen und trockenen Tag wählen. Wind trägt nicht nur den Sprühnebel davon, sondern kann auch Staub und Schmutz in den frischen Lack bringen. Direkte pralle Sonne auf einem stark aufgeheizten Kotflügel ist ebenfalls keine gute Ausgangslage. Im Zweifel warte ich lieber auf passende Bedingungen, statt eine Lackierung unbedingt an einem bestimmten Tag durchzuziehen.

Basislack und 2K-Klarlack in mehreren Spritzgängen

Das Seeblau habe ich als 1K-Basislack aufgetragen und anschließend mit 2K-Klarlack versiegelt. Statt zu versuchen, mit einem einzigen dicken Auftrag sofort Deckung und Glanz zu erreichen, sind kontrollierte Spritzgänge mit der zum Produkt passenden Ablüftzeit die bessere Strategie.

Die genauen Wartezeiten unterscheiden sich je nach Produkt. Bei 2K-Klarlacken liegen zwischen den Spritzgängen häufig einige Minuten Ablüftzeit; deshalb sollte man hier nicht pauschal nach Gefühl arbeiten, sondern die Angaben auf Dose beziehungsweise technischem Merkblatt beachten.

Das Ergebnis am 64er Käfer

Ist das Ergebnis perfekt? Nein – und das war bei einer Reparaturlackierung mit der Dose auch nicht mein Anspruch. Der Kotflügel hat aber wieder seine passende seeblaue Farbe und einen ordentlichen Glanz. Vor allem gibt es keine Läufer oder Krater auf der lackierten Stelle. Damit bin ich zufrieden.

Am Übergang zum alten Lack ist bei Sonnenlicht noch ein Unterschied zu erkennen. Dort möchte ich nach vollständiger Aushärtung noch einmal vorsichtig mit Politur arbeiten, damit der Übergang weniger auffällt.

Was ich beim nächsten Lackieren wieder so machen würde

Die wichtigste Erkenntnis ist für mich nicht irgendein Spezialtrick, sondern Vorbereitung und Geduld: großzügig abkleben, die Oberfläche sauber vorbereiten, die Dose lange genug schütteln, Abstand und Bewegung konstant halten und auf brauchbare Wetterbedingungen warten. Gerade bei einem alten Käfer muss nicht jede kleine Reparatur zur Komplettlackierung werden.

Für meinen 64er war diese Lösung ein guter Kompromiss. Der Kotflügel sieht wieder ordentlich aus, ist geschützt und der Käfer darf seine Geschichte trotzdem weiterhin zeigen.